Langschwert im Historischen Fechten

Das Langschwert gehört heute zu den wichtigsten Disziplinen des Historischen Fechtens (HEMA). Trainiert wird mit modernen Trainingswaffen und Schutzausrüstung auf Grundlage historischer europäischer Fechtquellen – vom technischen und taktischen Training bis zum freien Gefecht und Wettkampf.

Langschwert im Wettkampf beim Dresdner HEMA-Cup
Langschwert im Wettkampf beim Dresdner HEMA-Cup.

Was ist ein Langschwert?

Mit Langschwert ist im HEMA meist ein zweihändig geführtes europäisches Schwert gemeint, wie es vor allem im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit verwendet wurde. Im Vergleich zu einem einhändigen Schwert ist es länger und wird mit beiden Händen am Griff geführt. Dadurch lassen sich Reichweite, Kontrolle und Kraft sehr direkt miteinander verbinden.

Im Training verwenden wir keine scharfen Originalwaffen. Üblich sind stumpfe Trainingsschwerter oder sogenannte Federn, die für Partnertraining, Sparring und Wettkampf entwickelt wurden. Sie erlauben dynamisches Fechten mit Hieb und Stich, ohne den historischen Charakter der Waffe völlig aufzugeben.

Das Langschwert ist dabei nicht einfach nur ein historischer Gegenstand. Im modernen HEMA ist daraus eine lebendige Fechtdisziplin entstanden, in der historische Quellen, Training, Sparring und Wettkampf zusammenkommen.

Langschwert und HEMA

HEMA steht für Historical European Martial Arts. Gemeint sind historische europäische Kampfkünste, die anhand überlieferter Quellen rekonstruiert und heute praktisch trainiert werden. Das Langschwert ist eine der bekanntesten Disziplinen innerhalb dieses Spektrums.

Für das Langschwert existieren zahlreiche historische Fechtbücher. Besonders bekannt ist die deutschsprachige Tradition, die mit Johannes Liechtenauer verbunden wird. Daneben gibt es weitere deutschsprachige und europäische Quellen, die Hiebe, Stiche, Ringen, Nahkampf und taktische Prinzipien beschreiben.

Historische Quellen sind für uns Ausgangspunkt, aber kein fertiger Trainingsplan. Ein Fechtbuch erklärt nicht automatisch, wie eine Gruppe heute effektiv lernen, sparren oder sich auf einen Wettkampf vorbereiten sollte. Genau an dieser Stelle treffen historische Rekonstruktion und moderne Trainingsmethodik aufeinander.

Wenn du zuerst verstehen möchtest, wie HEMA insgesamt funktioniert, findest du hier mehr: Was ist Historisches Fechten?

Wie wird Langschwertfechten heute trainiert?

Gutes Langschwerttraining besteht nicht nur daraus, Bewegungsfolgen nachzumachen. Im freien Gefecht musst du erkennen, was dein Gegner gerade tut, eine passende Entscheidung treffen und sie im richtigen Moment umsetzen.

Deshalb arbeiten wir unter anderem an:

  • Distanz und Timing
  • Angriff und Verteidigung
  • Beinarbeit und Positionierung
  • Wahrnehmung und Entscheidungsfindung
  • Umgang mit Druck und wechselnden Gegnern
  • Übertragung ins freie Gefecht

Technik spielt dabei selbstverständlich eine Rolle. Entscheidend ist aber, ob eine Aktion auch gegen einen Gegner funktioniert, der selbst handeln, täuschen, ausweichen und angreifen will.

Langschwerttraining beim HEMA Competition Camp Dresden

Wie dieser Ausbildungsweg bei uns aufgebaut ist, beschreiben wir auf der Seite Wie wir trainieren.

Sparring mit dem Langschwert

Sparring ist ein wichtiger Teil des Langschwerttrainings. Dabei wird nicht abgesprochen, welche Aktion als Nächstes kommt. Beide Fechter versuchen, ihre eigenen Ziele zu erreichen und gleichzeitig auf den Gegner zu reagieren.

Das bedeutet nicht, dass jedes Sparring maximal hart oder schnell sein muss. Intensität, Aufgabe und Regeln können verändert werden. Mal geht es nur um Distanz, mal um eine bestimmte Angriffssituation, mal um freies Fechten unter nahezu wettkampfähnlichen Bedingungen.

Gerade diese Unterschiede machen Sparring wertvoll: Du lernst nicht nur eine Bewegung, sondern wann und warum sie funktioniert.

Langschwert im Wettkampf

Langschwert ist heute eine der größten Wettkampfdisziplinen im HEMA. Fechter treffen in Turnieren unter einem festgelegten Regelwerk aufeinander und versuchen, gültige Treffer zu setzen, selbst möglichst wenig getroffen zu werden und mit den jeweiligen Rahmenbedingungen taktisch umzugehen.

Regelwerke unterscheiden sich. Trefferflächen, Wertungen, Doppeltreffer und Abläufe können von Turnier zu Turnier anders aussehen. Gute Wettkampfvorbereitung bedeutet deshalb nicht nur, schnell und technisch sauber zu fechten. Du musst Situationen lesen, Entscheidungen anpassen und auch unter Druck dein eigenes Fechten umsetzen können.

Beim Dresdner HEMA-Cup ist Langschwert die größte Kategorie. Wer gezielt an seinem Wettkampffechten arbeiten möchte, findet außerdem im HEMA Competition Camp ein eigenes Trainingsformat dafür.

Zwei erfahrene Langschwertfechter beim Dresdner HEMA-Cup

Welche Ausrüstung braucht man für Langschwert?

Sobald Langschwerttraining mit Kontakt und freiem Fechten beginnt, braucht es geeignete Schutzausrüstung. Je nach Trainingsform und Intensität kommen typischerweise dazu:

  • Fechtmaske mit Hinterkopfschutz
  • Halsschutz
  • gepolsterte HEMA-Jacke
  • geeignete Langschwert-Handschuhe
  • Unterarm- und Ellenbogenschutz
  • Tiefschutz
  • Knie- und Schienbeinschutz
  • stumpfes Trainingslangschwert oder Feder

Für den Einstieg musst du diese Ausrüstung nicht sofort vollständig besitzen. Im Grundkurs Historisches Fechten stellen wir zunächst Trainingsmaterial zur Verfügung und führen Schritt für Schritt an das Fechten mit Waffen heran.

Historische Quellen zum Langschwert

Ein wesentlicher Unterschied zwischen HEMA und frei erfundenem Schwertkampf ist die Arbeit mit historischen Quellen. Fechtbücher, Handschriften und gedruckte Werke überliefern technische Beschreibungen, taktische Prinzipien und Abbildungen aus unterschiedlichen Jahrhunderten.

Für das deutschsprachige Langschwert ist die Tradition um Johannes Liechtenauer besonders prägend. Spätere Autoren und Glossatoren haben seine Lehre kommentiert, erweitert und in unterschiedlichen Zusammenhängen überliefert. Andere Quellen setzen eigene Schwerpunkte oder beschreiben ähnliche Probleme auf andere Weise.

Heute besteht die Aufgabe nicht darin, historische Texte einfach wörtlich nachzuspielen. Wir versuchen zu verstehen, welches Problem eine Quelle beschreibt, testen mögliche Lösungen praktisch und prüfen, ob sie unter Widerstand funktionieren. Historisches Fechten bleibt dadurch historisch begründet und gleichzeitig eine moderne Kampfsportpraxis.

Langschwert beim Fencing Club Dresden

Beim Fencing Club Dresden ist Langschwert unsere zentrale Wettkampfdisziplin. In der Grundausbildung lernst du zunächst wichtige Grundlagen aus mehreren Bereichen des Historischen Fechtens. Danach kann das reguläre Training stärker in Richtung Langschwert, freies Fechten und Wettkampf gehen.

Dabei trainieren bei uns nicht alle mit demselben Ziel. Manche wollen technisch und taktisch besser fechten, andere regelmäßig sparren oder auf Turnieren starten. Für erfahrene Wettkämpfer bieten wir zusätzlich Camps und spezielle Trainingsformate an.

Du fängst gerade erst an?

Dann ist unser einjähriger Grundkurs der richtige Einstieg. Dort lernst du Historisches Fechten von Grund auf und brauchst zu Beginn keine eigene HEMA-Ausrüstung.

Zum Grundkurs Historisches Fechten

Du trainierst bereits HEMA?

Dann findest du bei unseren Turnieren, Camps und Workshops Formate für Sparring, Wettkampf und intensive Weiterentwicklung.

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Langschwert-Turniere, Camps und Workshops

Langschwert taucht bei uns in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten auf. Beim Dresdner HEMA-Cup steht der sportliche Wettkampf im Mittelpunkt. Im HEMA-Camp gibt es mehrere Tage Zeit für Training und Sparring. Das Competition Camp richtet sich gezielt an Fechter mit Wettkampfziel. Hinzu kommen Workshops mit Gasttrainern und Spezialthemen.

Teilnehmer des HEMA Competition Camps in Dresden
Training, Sparring und Austausch gehören bei unseren HEMA-Camps zusammen.

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